GMF - The German Marshall Fund of the United States - Strengthening Transatlantic Cooperation

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Events
GMF celebrates its 40 year history and Founder and Chairman, Dr. Guido Goldman at Gala Dinner May 09, 2013 / Washington, DC

GMF held a celebratory gala dinner at the United States Institute of Peace in Washington, Wednesday May 8.

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Deal Between Kosovo, Serbia is a European Solution to a European Problem May 13, 2013

In this podcast, GMF Vice President of Programs Ivan Vejvoda discusses last month's historic agreement to normalize relations between Kosovo and Serbia.

Andrew Small on China’s Influence in the Middle East Peace Process May 10, 2013

Anchor Elaine Reyes speaks with Andrew Small, Transatlantic Fellow of the Asia Program for the German Marshall Fund, about Beijing's potential role in brokering peace between Israel and Palestine

Groß ist die Hoffnung July 23, 2008 / Stephen Szabo
Sueddeutsche Zeitung


Dr. Stephen Szabo, Executive Director of the Transatlantic Academy at the German Marshall Fund, discusses Senator Barack Obama's visit to Berlin, Germany and greater Europe. The article is written in German. Was Barack Obama diese Woche unternimmt, ist der Versuch, sein außenpolitisches Ansehen in der Heimat aufzuhübschen. Der symbolisch wichtigste Stopp wird der an diesem Donnerstag in Berlin sein. Obama kann ein herzliches Willkommen erwarten, vergleichbar mit John Kennedys legendärem "Ich bin ein Berliner"-Besuch von 1963. Die Wahl von Berlin ist kein Zufall. Obama wird in Deutschland bereits als der nächste Kennedy betrachtet, und sein Motto des Generationenwechsels erinnert an Kennedys Aufruf, die Fackel an die nächste Generation weiterzureichen. Der Bruch mit Deutschland, Amerikas engstem europäischen Verbündeten seit Jahrzehnten, wegen des Iraks war besonders tief, und für den nächsten US-Präsidenten wird es Priorität haben, diese Beziehung zu reparieren. Die Erwartungen in Europa sind himmelhoch. Nach einer kürzlichen Umfrage besitzt Obama das Vertrauen von 84 Prozent der Franzosen, 82 Prozent der Deutschen und 74 Prozent der Briten, während McCain demgegenüber auf 33 und 33 respektive 44 Prozent kommt. Sogar europäische Spitzenpolitiker, die normalerweise die bekannte Größe vorziehen würden (in dem Fall also McCain), neigen zu Obama. Warum? Und was sagt uns dies über den Zustand der transatlantischen Beziehungen im Allgemeinen, und der deutsch-amerikanischen Beziehungen im besonderen? Zunächst ist Obama nicht Bush, und er ist kein Republikaner. Das wird von den meisten Europäern als großes Plus gesehen, besonders von Deutschen. Die Europäer haben sich ihr Urteil über Bush und seine Regierung gebildet, und nichts wird dies mehr ändern. "Transatlantic Trends", die Studie des German Marshall Fund vom vergangenen Herbst, ergab, dass das Vertrauen in die US-Führung in Deutschland am stärksten zurückgegangen ist: Nur noch 38 Prozent betrachten sie als wünschenswert, im Vergleich zu 68 Prozent im Jahr 2002. Für die Deutschen verkörpert Bush einen militaristischen außenpolitischen Ansatz, verbunden mit schlechten Manieren sowie einer naiven, unbekümmerten Herangehensweise an eine unordentliche, un-amerikanische Welt. Wie die meisten Amerikaner, so glauben auch die Deutschen, dass der Irakkrieg ein großer Fehler und eine Verletzung internationalen Rechts war. Er hat das Ansehen von Amerika als einer Demokratie beschädigt, die das internationale Recht und die bürgerlichen Freiheiten respektiert. McCain wird lediglich als die mildere Version von Bush gewertet, besonders was seine Vorstellungen über Russland, Iran und Irak betrifft. Der Umstand, dass einige seiner Berater Neokonservative sind oder als Träger neokonservativer Vorstellungen gesehen werden, verstärkt diesen Eindruck nur. Auf der nächsten Seite lesen Sie, welche deutschen Vorstellungen Obama verkörpert ... Obama verkörpert daher die Rückkehr der alten deutschen Vorstellungen eines "anderen Amerika". Seine Anziehungskraft besteht jedoch nicht nur darin, dass er nicht Bush ist. Er und viele seiner Berater gehören einer jüngeren Generation an, die von der Zeit nach dem Kalten Krieg geprägt ist. Dies ist zwar sein erster Besuch in Deutschland, aber Obama hat bereits außerhalb der Vereinigten Staaten gelebt, er weiß, wie das Land von Nicht-Amerikanern betrachtet wird. Dadurch hat er bessere Voraussetzungen für den Umgang mit den transatlantischen Partnern und für die Neuausrichtung eines Verhältnisses, das nicht mehr durch den Ost-West-Konflikt, sondern durch die Globalisierung definiert wird. Kennedy sprach in einem geteilten Berlin und sah Deutschland und Europa als den Dreh- und Angelpunkt im Kampf mit der Sowjetunion. Obama hingegen wird zu Berlinern sprechen, von denen viele nach dem Fall der Mauer geboren wurden, und zu einem Europa, das ein unverzichtbarer Partner bei so uneuropäischen Herausforderungen wie der Weiterverbreitung von Nuklearwaffen, globalem Terrorismus sowie Energie- und Klimasicherheit ist. Cool, hot und legendäre Launen Er wird eher über Afghanistan und dem Nahen Osten brüten als über Berlin oder auch nur dem Balkan. Sein Publikum und die meisten europäischen Staats- und Regierungschefs stehen ihm in Alter und Perspektive näher als John McCain. Obama ist nur acht Jahre jünger als Angela Merkel und fünf Jahre jünger als Frank-Walter Steinmeier, während McCain sie um mehr als 15 Jahre übertrifft. Zusätzlich ist Obama cool und McCain hot, die Deutschen aber bevorzugen cool. Er ist nicht aus der Ruhe zu bringen, während McCains Launen legendär sind. Und er ist bereit, die Welt so zu nehmen, wie sie ist, was auch heißt, mit einigen unangenehmen Typen klarzukommen. Dies ist eine sehr europäische Herangehensweise, etwas, das McCain für Appeasement hält. Obama verkörpert soft power, während McCain wie ein Militarist daherkommt. Die Republikaner greifen genau das auf. Sie argumentieren (wie schon erfolgreich gegen John Kerry), Obama sei zu europäisch. Mitt Romney sagte vor ein paar Tagen: "Ich glaube, dass Obama viel Inspiration sucht, indem er auf Europa schaut. McCain dagegen will sicherstellen, dass Amerika auch Amerika bleibt." Diese Strategie wird aber dieses Mal nicht mehr aufgehen; eine kürzliche Pew-Umfrage ergab: Mehr als zwei Drittel der Amerikaner glauben, dass die USA heute weniger in der Welt respektiert werden als früher. Sogar 60 Prozent der Republikaner sind dieser Ansicht, und 43 Prozent von ihnen halten dies für ein großes Problem. Darüber hinaus sind sowohl das US-Militär als auch die US-Wirtschaft überdehnt, wodurch das Bedürfnis nach europäischen Verbündeten zu einer Notwendigkeit wird. Rufe nach Partnerschaft Große Erwartungen mögen zu Desillusionierung und wechselseitigem Frust führen. Obama und seine Berater unterstützen eine größere Rolle für die europäische Außen- und Sicherheitspolitik, und sie sind bereit, die Europäer als Partner zu behandeln - als Gegenleistung für einen realen Beitrag in Form von Geld und Streitkräften. Was Deutschland betrifft, werden Obama und sein Team jedoch genau dann ins Amt kommen, wenn hier der Wahlkampf beginnt. Er wird gebeten werden, mit seinen Rufen nach Partnerschaft zu warten, bis die neue Regierung im Amt ist - was eine Verzögerung von einem Jahr bedeuten wird. Das könnte zu ernster Desillusionierung in Washington führen. Zugleich hängt die Sicherheit der Deutschen heute weniger als früher von den USA ab, und daher werden sie auch weniger bereit sein, ihnen einfach zu folgen, egal, wer im Amt ist. Trotzdem, selbst mit einem Präsidenten McCain wird sich die Atmosphäre verbessern, aber ein Sieg von Obama wird eindeutig den größeren Effekt haben. Stephen Szabo leitet die Transatlantic Academy, die beim "German Marshall Fund of the United States" in Washington angesiedelt ist. Übersetzung: Detlef Esslinger.